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Das Ziel immer klar im Blick
Interview mit Susanne Winkler

Bewegung ist offenbar ihr Lebensmotto: Die Geschäftsführungsassistentin kann trotz eines anspruchsvollen Job-Alltags weder Kopf noch Füße abschalten, wenn Freizeit angesagt ist. Dann wird gelernt oder gesportelt, bis zur Hochleistung. Das folgende Interview mit unsere Kollegin Susanne Winkler wurde von working@office geführt und die Erstveröffentlichung erfolgte in der Printausgabe des Fachmagazins.

Menschen mit gesundem Ehrgeiz sind für Unternehmen ein Glücksfall. Wenn umgekehrt auch die Firma bereit ist, Karrierewege zu fördern, wo es geht –, dann fühlt man sich wahrscheinlich wie unsere Kollegin Susanne Winkler (48) „Ich bin genau richtig an meinem Platz. Ich bin angekommen.“

Susanne Winkler Wolf GmbH

Ihr Start ins Berufsleben begann mit einer Ausbildung zur Zahnarzthelferin. Allerdings war danach ziemlich schnell klar, dass eine berufliche Umorientierung notwendig ist. Die bot sich 1990 bei dem größten Arbeitgeber in der Region, der WOLF GmbH. Fünf Jahre war sie in der Auftragsabwicklung tätig und lernte dabei die Produktpalette ihres Arbeitgebers gründlich kennen. Als ihr damaliger Chef sie auf eine attraktive Position in dem Bereich Sachbearbeitung Export aufmerksam machte, nahm sie den Tipp dankbar an und wechselte innerhalb der Abteilung. Susanne Winkler war Mitte 20, als sie in den Bereich Sachbearbeitung Export einstieg und schließlich ein fünfköpfiges Team leitete. Während dieser Zeit übernahm sie auch immer wieder mal die Urlaubsvertretung im Sekretariat der Geschäftsleitung.

Mittlerweile war die gebürtige Mainburgerin seit gut zehn Jahren bei der WOLF GmbH. Zeit für etwas Neues, dachte sie sich und wechselte 2001 mit Anfang 30 die Firma – doch es wurde nur ein halbjähriges Zwischenspiel. Noch im gleichen Jahr kehrte sie zur WOLF GmbH zurück, als Assistentin der Geschäftsleitung, deren Vorsitz nach einer Umstrukturierung bald darauf ihr langjähriger Mentor Alfred Gaffal übernahm.

Lernen als Lebensziel

Ein Sprung ins kalte Wasser war das nicht, Susanne Winkler war auf die anspruchsvolle Aufgabe bestens vorbereitet. Und zwar nicht nur durch die wiederholten Urlaubsvertretungen, sondern weil sie sich neben ihrem beruflichen Alltag ständig für das jeweils aktuelle Aufgabenumfeld weiterbildete. Sie vertiefte ihre Englischkenntnisse bis hin zum Abschluss Wirtschaftsübersetzerin IHK, es folgte ein Abschluss zur Office-Managerin und zur geprüften Vorstands- und Geschäftsführungsassistentin. Ein Studium an der Fernakademie machte sie 2010 zur geprüften Betriebswirtin und im Jahr 2013 folgte schließlich noch eine Fortbildung im Bereich Event & Incentive Management. „Ich organisiere für mein Leben gern“, sagt die Geschäftsführungsassistentin, „beruflich wie auch privat, jede Art von Events oder Meetings, Feiern oder Geschenke. Das entspricht mir einfach.“ Dass ihr Beruf von außen oft nicht genügend anerkannt wird, nimmt das Organisationstalent als Herausforderung: „Assistenz auf Geschäftsführungsebene erfüllt ein hohes Niveau. Wir arbeiten hier alle mit hohem zeitlichen und inhaltlichen Druck. Ich glaube, das wird oft unterschätzt, und damit muss man umgehen können. Allerdings profitiert man davon auch persönlich, finde ich.“

Susanne Winkler WOLF GmbH

Zwei Chefs, viel Verantwortung

Seit mittlerweile 27 Jahren gehört Susanne Winkler zur Firma. Man kennt sich gut, weiß, wie der andere tickt. „Ich muss gar nicht viele Worte machen, Du erfasst immer sehr schnell, worum es mir geht“, sagt beispielsweise Bernhard Steppe, der 2011 die Nachfolge von Alfred Gaffal als Geschäftsführer Vertrieb übernahm. Seit mittlerweile 17 Jahren arbeitet die Mainburgerin als GF-Assistentin, seit 2014 zusätzlich für Christian Amann, der den Bereich Operations als Geschäftsführer leitet.

„Die Kombination Operations und Vertrieb ist für mich sehr reizvoll. In beiden Bereichen arbeitet man strukturiert, aber im Werk gibt es Planungsprozesse, die genau eingehalten werden müssen, während im Vertrieb eine große Flexibilität für den Kunden notwendig ist.“ Wie vielfältig die Aufgabe tatsächlich ist, lässt sich schwerlich dem einen Satz entnehmen, mit dem Susanne Winkler ihre Funktion auf den Punkt bringt, wohl aber ihr berufliches Selbstverständnis: „Den Tag für meine Chefs so einfach wie möglich zu machen.“

Susanne Winkler Interview

Der Tag beginnt bei Susanne Winkler in der Regel zwischen 7:00 Uhr und 7:30 Uhr, vor Aufsichtsratssitzungen oder wichtigen Meetings kann es auch mal früher sein. Der frühe Start und auch mal lange Büroabende sind für sie in Ordnung, „diese Flexibilität braucht man in unserem Job.“ Als Erstes bereiten die drei Assistentinnen – es gibt zwei weitere Manager der Geschäftsführung, Dr. Thomas Kneip, Vorsitzender, und Gerdewan Jacobs, Bereich Technik – die aktuellen Zahlen aus dem laufenden Geschäft vor. Dann werden sämtliche Unterlagen für die anfallenden Meetings des Tages aus der Wiedervorlage sortiert („und die ist immens!“). Susanne Winkler und ihre Kolleginnen arbeiten nicht komplett papierlos, sondern kombinieren beide Arbeitsweisen – analog und digital – so, dass es tatsächlich effizient für die Zusammenarbeit ist.

Hochleistung reizt sie einfach

Unternehmensziele gehen nicht über den Einzelnen hinweg, erzählt sie weiter, die eigenen beruflichen und auch privaten Ziele werden gefördert, wo es geht. Das hat sie selbst mehrfach erleben dürfen, zum Beispiel, als sie 2011 am Leitz-Wettbewerb um die „beste Sekretärin des Jahres“ teilnahm. Sie wurde Zweite, für sie ein Highlight in ihrer beruflichen Laufbahn, schließlich betrachtet sie sich eher als „Quereinsteigerin“ in den Assistenzberuf.

Die „größte Herausforderung überhaupt in ihrem bisherigen Leben“ habe sie auch mit Unterstützung der Firma bestanden. Die sportliche Holledauerin hatte als Ausgleich zum oft ziemlich stressigen Assistenzalltag mit dem Triathlon angefangen. Mit Anfang 40 begann Susanne Winkler schließlich, für den Langdistanz Triathlon 2015 in Roth zu trainieren. Sie schaffte es und lief schließlich nach 13 Stunden, 22 Minuten und elf Sekunden über die Ziellinie – übrigens auch für einen guten Zweck, den die Firma pro zurückgelegtem Kilometer und dem Finish mit einer Finanzspende unterstützte.

Kirsten Wolf, Journalistin | Fotos: Simone Naumann

Das vollständige Interview finden Sie auch auf der Website von working@office unter www.workingoffice.de