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Energie- und CO2-Einsparung beim Ersatz von Altkesseln
Stellungnahme

Ein Gutachten des Bundesverbandes Erneuerbarer Energie e.V. hat in den letzten Wochen viele Verbraucher verunsichert, da es die Einsparungen bei einem Heizungstausch durch einen modernen Brennwertkessel als deutlich geringer darstellt. In einer aktuellen Stellungnahme des Instituts für Technische Gebäudeausrüstung Dresden wurden diese Ergebnisse relativiert und neu eingeordnet. Eine Modernisierung des gesamten Heizungssystems lohnt sich für Privatkunden auf jeden Fall.
Effizienzstruktur Heizungsanlagen Deutschland

Die Effizienzstruktur des deutschen Heizungsanlagenbestands ist bei über 60% der installierten Geräte unzureichend. Heizkessel haben eine rechnerische Lebensdauer von ca. 20 Jahren, werden jedoch zum wesentlichen Teil länger genutzt. Beim Austausch eines Altkessels gegen einen neuen Kessel kommen üblicherweise Brennwertkessel zum Einsatz. Dabei ist der Kesseltausch in der Regel der Anlass für die Umsetzung weiterer energiesparender Maßnahmen im Heizungskeller.

Das Institut für Wärme und Öltechnik (IWO) bezeichnet daher das vorgelegte Gutachten als nicht nachvollziehbar und praxisfern. Berechnungen auf Grundlage derselben Norm (DIN V 18599) beweisen dies auch. So erreicht man in einem Einfamilienhaus durch den Austausch des alten Konstanttemperaturkesssels bereits Einsparungen von bis zu 23%. Durch weitere Maßnahmen (z.B. hydraulischer Abgleich) sind dabei bis zu 30% Reduktion der Kosten möglich.

Die negative Darstellung des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE) berücksichtigt nicht alle Rahmenbedingungen einer Heizungsmoderisierung, dies zeigen auch andere Studien. Endenergieeinsparung für Kesseltausch inkl. typischer weiterer Maßnahmen nach [Modernisierungskompass 2017]

MaßnahmeEFH kleinEFH großMFH
Brennwertkessel + Optimierung Gesamtsystem         33% 32%28%
Brennwertkessel + Optimierung Gesamtsystem + solare Trinkwassererwärmung39%38% 35%
Brennwertkessel + Optimierung Gesamtsystem + solare Trinkwassererwärmung/Heizungsunterstützung44%41%-

In einer ausführlichen Stellungnahme hat sich das Institut für Technische Gebäudeausrüstung Dresden zu den Ergebnissen von Econsult im Auftrag des Bundesverbandes für Erneuerbare Energie e.V. geäußert und so einige der wichtigsten Annahmen des Gutachtens detaillierter betrachtet.

  • Es wird eine real kaum auftretende Trennung zwischen der Energieeinsparung durch Kesseltausch und der durch periphere Maßnahmen an der Heizungsanlage vorgenommen. Addiert man die Einspareffekte der üblicherweise gemeinsam durchgeführten Maßnahmen, dann werden die oben genannten Größenordnungen der Einsparungen bestätigt.
  • Econsult bezieht bei den Aussagen zu den möglichen Energieeinsparungen den Austausch älterer Brennwertkessel durch neuere Brennwertkessel ein. Dieser Austausch kann nicht durch die Energieeinsparung motiviert werden, die diesbezüglichen Zahlen sind für den Austausch von Altkesseln nicht repräsentativ.
  • Die Berechnungen werden mit den in DIN V 18599:2011 enthaltenen Standardwerten für die Effizienz von Brennwertkesseln verbessert vorgenommen. Diese Kennwerte gehen auf die DIN V 4701-10 aus dem Jahr 2003 zurück, sie entsprechen nicht dem Stand der Technik marktüblicher Brennwertkessel im Jahr 2018. Dadurch werden die möglichen Energieeinsparungen um 3% bis 4% unterschätzt.
  • Die in den Berechnungen unterstellte Dämmung der Verteilleitungen im Zuge des Kesseltausch 1998 auf die damaligen Anforderungen ist fragwürdig. Nach Heizungsanlagenverordnung gab es 1998 keine Anforderungen zur nachträglichen Dämmung von Rohrleitungen.

  

Download Stellungnahme (PDF)