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Starke Frauen in der Technik
Interview mit Eva-Maria Fenzl

Die Hallertauer Zeitung hat unsere Kollegin Eva-Maria Fenzl zum Thema "Frauen in technischen Berufen" interviewt. Die WOLF Qualitätsmanagerin erzählt von ihren eigenen Erfahrungen und den Herausforderungen als Frau in einer von Männern dominierten Branche. Das vollständige Interview mit der Hallertauer Zeitung wurde am 23. März 2019 veröffentlicht.

Zukunft in der Technik:
Mehr weibliche Fachkräfte

Vor allem Handwerksberufe sind vom Fachkräftemangel betroffen. Sowohl in klassischen Handwerksbetrieben als auch in produzierenden Unternehmen wird oft händeringend Nachwuchs gesucht. Ein möglicher Weg, um neue Fachkräfte zu gewinnen, ist es, junge Frauen für solche Berufe zu begeistern. Doch die Zahl von Frauen in technischen Handwerksberufen nimmt leider nur langsam zu. Unternehmen müssen mehr Impulse setzen, um das zu ändern. Dem Mainburger Raumklimaexperten Wolf ist dies ein wichtiges Anliegen und er beteiligt sich deshalb seit Jahren am Mädchenzukunftstag „Girls’Day“. Dieser gibt Schülerinnen der 5. bis 10. Klasse die Möglichkeit, einen Tag in vermeintlich „männertypische“ Berufe hineinzuschnuppern. Wie so eine Karriere aussehen kann, dafür liefert Wolf das beste Beispiel aus den eigenen Reihen. Die Qualitätsmanagerin Eva-Maria Fenzl begann ihre Karriere im Mainburger Unternehmen mit einer Ausbildung zur Energieelektronikerin. 2006 wurde sie Deutschlands jüngste Handwerksmeisterin für Elektrotechnik und studierte im Anschluss Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Elektrotechnik. Im Interview erzählt sie von ihren Erfahrungen und den Herausforderungen als Frau in einem technischen Beruf.

Eva-Maria Fenzl WOLF GmbH

Wieso haben Sie sich für eine Ausbildung zur Energieelektronikerin entschieden?

Eva-Maria Fenzl: Bereits am Ende meiner Schulzeit interessierte ich mich sehr für technische Abläufe. Zu meinen Hobbys gehörte damals auch mein Motorrad, an dem ich gemeinsam mit meinem Vater stundenlang bastelte. Defekte Bauteile oder Geräte wieder zum Laufen zu bringen, machte mir sehr viel Spaß. Deswegen entschied ich mich letztendlich für einen technischen Beruf.

2006 wurden Sie Deutschlands jüngste Handwerksmeisterin im Bereich Elektrotechnik und haben später noch Ihren Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen mit Schwerpunkt Elektrotechnik gemacht. Welche Herausforderungen für Frauen in technischen Berufen sind Ihnen auf diesem Weg begegnet?

Eva-Maria Fenzl: Für mich war die erste Hürde in der Ausbildung, als einzige Frau einen Platz im Team zu finden. Das ist deutlich anders als während meiner Schulzeit im sozialen Zweig, wo es einen deutlichen Frauenüberschuss gab. Wie in jedem anderen Berufsfeld gibt es auch in einem technischen Beruf individuelle Herausforderungen. Für mich als Frau war es beispielsweise schwierig, sehr schwere Lasten alleine zu heben. Doch ich konnte mich immer auf die Hilfe der Kollegen verlassen. Ich habe schon mit 21 Jahren meinen Meister gemacht, darauf bin ich sehr stolz. Dabei wusste ich auch, dass manche der älteren und erfahreneren Kollegen meine Fachkompetenz womöglich in Frage stellen könnten. Doch dadurch habe ich mich nicht von meinem Weg abbringen lassen.

Hatten Sie schon einmal mit Vorurteilen zu kämpfen?

Eva-Maria Fenzl: Schon in meinen ersten Berufsjahren hatte ich das Gefühl, dass sich die technisch dominierte Berufswelt wandelt. In meiner Arbeit war ich zum Glück keinen direkten Vorurteilen ausgesetzt, aber natürlich war nicht immer alles nur Sonnenschein. Ich muss jedoch sagen, dass ich niemandem begegnet bin, der aufgrund meines Geschlechtes grundsätzlich voreingenommen war.

Eva-Maria Fenzl WOLF GmbH

Nach Ihrer Ausbildung waren Sie Vorarbeiterin für die Produktionselektrik und Sachbearbeiterin in der Abteilung Angebote Klimageräte. Heute sind Sie Qualitätsmanagerin bei WOLF. Wie hat Ihr Arbeitgeber Sie auf Ihrem Weg unterstützt?

Eva-Maria Fenzl: WOLF hat mich während meiner gesamten beruflichen Laufbahn sehr unterstützt. In meiner Ausbildung durchlief ich verschiedene Abteilungen. 

Dadurch habe ich einen Blick fürs Ganze, aber auch für die Details in den unterschiedlichen Bereichen bekommen. In der Prüfungsphase konnte ich während der Arbeitszeit für die Examen lernen. Als ich im Anschluss an meine Ausbildung an der Meisterschule war, übernahm WOLF einen erheblichen Teil der Kosten. Nachdem ich dank eines Stipendiums die einmalige Chance hatte ein Jahr in die USA zu gehen, konnte ich danach wieder ohne Probleme bei WOLF einsteigen. Besonders meine verbesserten Englischkenntnisse konnte ich daraufhin in der Angebotsabteilung Export bestens einbringen. In Amerika habe ich mich auch dazu entschlossen, nach meiner Rückkehr Ingenieurwissenschaft zu studieren und jetzt unterstütze ich das Qualitätsmanagement bei WOLF.

Haben Sie während Ihrer Zeit in den USA Unterschiede in der Arbeitsweise oder Mentalität im Vergleich zu Deutschland festgestellt?

Eva-Maria Fenzl: Mein Auslandsjahr hat mich sehr geprägt. Ich arbeitete in einem deutschen Unternehmen, das in den USA ein neues Werk aufgebaut hat, und unterstützte die amerikanischen Mitarbeiter bei der Produktherstellung. Dabei habe ich leider auch die dortige „Hire and Fire“-Mentalität passiv miterleben müssen. Die Amerikaner sind das gewöhnt. Sie fühlen sich dadurch aber weniger mit ihrem Arbeitgeber verbunden. Das führt zu einer sehr hohen Fluktuation und einem dementsprechenden Wissensverlust. Das hat mir gezeigt, wie wichtig ein sicherer Arbeitsplatz und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit sind.

Was möchten Sie jungen Frauen, die sich für eine Karriere in einem technischen Bereich entscheiden, mit auf den Weg geben?

Eva-Maria Fenzl: Es wird nicht immer einfach sein – aber trotzdem oder gerade deswegen, ist ein solcher Beruf für Mädels mit Leidenschaft für eine technische Tätigkeit erstrebenswert.

Interesse an einer Karriere bei WOLF? Entdecken Sie unsere Ausbildungsstellen und Jobs für Berufserfahrene unter www.wolf.eu/karriere